Häns'che Weiss / Musik Deutscher Zigeuner

Häns'che Weiss





Ein Nachruf auf den deutschen Sinti-Musiker Häns’che Weiss
Von Bernd Reinhardt 30. Juni 2016
Nach langer Krankheit starb am 2. Juni der Gitarrist Häns’che Weiss. Der deutsche Sinto war ein bedeutender Interpret der Musik, die mit Django Reinhardt in den 1930er Jahren begann, sich international verbreitete und heute vor allem als „Gipsy-Jazz“ bekannt ist.

Häns’che Weiss wurde 1951 in einer Westberliner Sinti-Familie geboren und begann frühzeitig Gitarre zu spielen. Sein Vater Gono war vor dem Krieg ein vielseitiger Musiker gewesen, der Violine, Gitarre, Akkordeon und Zither beherrschte. Häns’che nahm die alte Unterhaltungsmusik von Operette bis Swing in sich auf, wuchs wie andere Jugendliche aber auch mit den Shadows, den Beatles, den Stones, den frühen Motown-Stars und modernem Jazz auf.
Der erste Fernsehauftritt des Schnuckenack Reinhardt Quintetts von 1967 in klassischer Django-Reinhardt-Besetzung wurde zum Impuls einer regelrechten Aufbruchsstimmung unter deutschen Sinti und Roma, zunächst auf kulturellem Gebiet. Nach und nach erschien eine ganze Reihe Platten unter dem selbstbewussten Motto: Musik deutscher Zigeuner. Hier begann auch die Laufbahn von Häns’che Weiss zunächst im Schnuckenack Reinhardt Quintett, bis er 1972 das Häns’che Weiss Quintett gründete.
Von Beginn an standen Bemühungen um eine zeitgemäße Musik. Dabei wurden Generationsunterschiede hörbar. Während Schnuckenack, noch stark der alten Salon-Tradition von Georges Boulanger und Emmerich Kálmán verpflichtet, Swing auf eine mitreißende Art und Weise interpretierte, die immer wieder den ungarischen Primas durchblicken ließ, eiferte sein Mitstreiter Bobby Falta auf der elektrischen Gitarre Barney Kessel und Wes Montgomery nach.
Insgesamt waren die 70er Jahre eine Zeit des Experimentierens. So waren in der 1973 in Dortmund gegründeten Gruppe La Romanderie neben Violine und Akkordeon auch elektrische Gitarre und Harfe zu hören. 1978 brachte die Sängerin Kitty Winter ein an
Jazzrock und Fusion orientiertes Album heraus. Ein Jahr später betritt auf dem großen
„Musikfest der Zigeuner“ in Darmstadt unter großem Beifall eine junge Frau (Dunja Blum)
die Bühne und singt mit modernem Spirit einen Song in der Sprache der deutschen Sinti –
Dschane du ga. Spätere Fernsehauftritte zeigen Dunja Blum als moderne Jazz-Interpretin mit
einer Vorliebe für Bossa Nova.




An obituary to the German Sinti musician Häns'che Weiss
By Bernd Reinhardt 30 June 2016
After a long illness the guitarist Hänsche Weiss died on 2 June. The German Sinto was an important interpreter of the music, which began with Django Reinhardt in the 1930s, spread internationally and today is known above all as "Gipsy-Jazz".

Häns'che Weiss was born in 1951 in a West Berlin Sinti family and started to play the guitar at an early age. His father, Gono, had been a versatile musician before the war, who mastered the violin, guitar, accordion and zither. Häns'che absorbed the old entertainment music from operetta to swing, grew up like other teenagers but also with the Shadows, the Beatles, the Stones, the early Motown stars and modern jazz.
The first television appearance of the Schnuckenack Reinhardt Quintet from 1967 in the classical Django-Reinhardt-occupation became the impulse of a regular break-up mood among German Sinti and Roma, initially in the cultural field. Gradually a whole series of records appeared under the self-conscious motto: Music of German gypsies. Häns'che Weiss's career began in the Schnuckenack Reinhardt Quintett, until he founded the Häns' Weissquintet in 1972.
Right from the start, efforts were focused on contemporary music. Generational differences were audible. While Schnuckenack, still heavily committed to the old salon tradition of Georges Boulanger and Emmerich Kálmán, interpreted Swing in a stirring manner, which always let the Hungarian primate see through, his fellow musician Bobby Falta on the electric guitar Barney Kessel and Wes Montgomery after.
Overall, the 1970s were a time of experimentation. In addition to the violin and the accordion, the group La Romanderie, founded in Dortmund in 1973, also had electric guitar and harp. In 1978 the singer introduced Kitty Winter
Jazz rock and fusion oriented album. A year later entered the great
"Music festival of the gypsies" in Darmstadt under great applause a young woman (Dunja Blum)
the stage and sings with a modern spirit a song in the language of the German Sinti -
Jane du ga Dunja Blum is a modern jazz interpreter who plays later television appearances
a predilection for Bossa Nova.

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